Ab heute wird zurückgekuschelt – zerknautschte Möbel liegen im Trend

Manche Designtrends geben einem zu denken: Neuerdings werden die Falten in Polsterstoffen von den Herstellern gleich mit eingearbeitet. Der zerwühlte Look signalisiert höchste Privatheit.

Es gibt Designtrends, über die kann man ins Philosophieren geraten. Das neuste aus dieser Kategorie sind Polstermöbel die aussehen, wie ungemachte Betten. Sollten die Polster bis dahin drall, schier und straff sein, werden jetzt vermehrt Möbel angeboten, deren Sitzflächen zerwühlt sind wie ein Bett, nach einer Liebesnacht. Das ist eine Wende im Design, wie sie drastischer kaum ausfallen könnte, galten doch durchgesessene Polster bis vor kurzem noch als Klagegrund.

Nackte Tatsachen – Möbel werden rosa

FAZ 23.5.2017    Plötzlich ist die Welt rosa. Wie konnte das nur passieren? Ein scheinbar harmloser Farbton löst Diskussionen aus. Nackt! Das muss man sich erst einmal trauen, einen Farbton so zu nennen. Gemeint ist ein irgendwie mattes Rosa, das die Einrichtungswelt aktuell wie eine Monsterwelle überflutet. Sessel, Türen, Teppiche, Hotelfoyers, Sofas – überall Variationen […]

Stadt statt Siedlung – der Deutsche Werkbund geht mit der Zeit

Mit der „Werkbundstadt“ in Berlin erfindet sich der Werkbund neu. Kopf des Projekts ist der Architekt Paul Kahlfeldt. Als Moderator und Stratege hat er eine Gruppe von Architekten zusammengeführt und betreibt mit ihnen die Wiedergeburt einer großen Idee: Gestalter und Hersteller entwickeln ein zukunftsweisendes Wohnquartier – mit konservativem Anstrich.

Die Elbphilharmonie – Symphonie aus Stahl und Glas

Die Hamburger Elbphilharmonie ist das deutsche Architekturereignis 2017. Der schwungvolle Bau leuchtet als neues Wahrzeichen der Stadt. Die Akustik im Saal ist atemberaubend.

Selten sind die Gebäude, die uns Staunen lehren. Die Hagia Sophia in Istanbul mag dazugehören, die gotischen Kathedralen in Frankreich oder einige Bauten von Frank Gehry. Und nun also die Elbphilharmonie, ein Konzerthaus, das im pragmatischen Hamburg steht und dort ausgerechnet auf einem alten Speicher im Hafen. Tatsächlich ist die „Elphi“, wie sie liebevoll genannt wird, ein unwahrscheinliches Gebäude. Das räumt sogar Jaques Herzog ein, einer der Architekten. Was umso mehr erstaunt, als sein Büro Herzog & de Meuron schon titanische Projekte wie das Olympiastadion in Peking, die Allianz Arena in München und das Museum Tate Modern in London realisiert hat. Was könnte so erfahrene Architekten noch überraschen?
Hamburg konnte es.

Einrichten per App

FAZ 12.2.2017  Dank neuer Apps kann sich jeder als Innenarchitekt versuchen. Doch halten die zahlreichen Programme, was sie versprechen? Ein Selbstversuch. Sie heißen Roomle, Roomplanner oder Home Design 3D, und ihr Versprechen ist magisch: Ruck, zuck entwirfst du auf deinem Tablet-Computer einen Grundriss, platzierst darin Möbel, Leuchten und Teppiche und schaust dir das Ganze als Animation […]

Der Siegeszug der Plastiktruhen

Die Truhe ist ein archaisches Möbelstück. Über Jahrhunderte haben Menschen darin ihre Habseligkeiten verstaut, und ihr Name ruft etwas Schweres, Dunkles und Geheimnisvolles wach. Als Schatztruhe geistert sie durch Romane und Filme, als Omas Truhe erinnert sie uns an Zeiten, in denen Bettwäsche noch kostbar war und die Aussteuer eine Säule des Eheversprechens. Doch dann war sie irgendwann verschwunden, die Truhe, so wie Mieder und Korsett, Piraten und Schatzinseln. Aber vielleicht haben wir einfach nicht so genau hingeschaut. Die Mutter aller Schränke lebt, und sie erfährt gerade eine Auferstehung, die so unwahrscheinlich erscheint wie die Wiederkehr des Rasiermessers im Friseursalon.
Die Truhe von heute heißt „Aufbewahrungsbox“, ist aus Plastik und unter dem Namen Samla ein Dauerseller bei Ikea. Auch in sogenannten Euromärkten haben die Plastikbehälter einen prominenten, allerdings namenlosen Platz. Für wenige Euro bekommt man staubsicheren Stauraum und ein vages Versprechen von Ordnung.

Die Grenze war nur der Himmel

Wirtschaftswunder und Wiederaufbau werden nicht unbedingt mit überbordender Phantasie in Verbindung gebracht. Doch was im Westdeutschland der Nachkriegsjahre an Sakralbauten entstand, kann durchaus als ein Architekturwunder gefeiert werden. Eines, das den Vergleich mit spektakulären Großbauten der Gegenwart nicht zu scheuen braucht. Denn die deutschen Kirchen der 50er- und 60er-Jahre, das zeigt ein genauerer Blick, sind gestalterische Juwelen und Zeichen von Freiheit und Aufbruch. Was für erregende Formen, was für magische Räume haben die Baumeister jener Jahre entworfen – vom Zeltdach bis zum spannungsvollen Betongebirge. Was für Lichteffekte haben sie, oft im Zusammenspiel mit Künstlern, integriert. Und was für Mengen von Kirchen sind da entstanden! Von 1948 bis Anfang der 60er-Jahre wurden in der Bundesrepublik Deutschland rund achttausend Sakralbauten errichtet – mehr als in den vierhundert Jahren zuvor. Der Grund für den erstaunlichen Bauboom: Zerstörungen des Krieges, moderne Bautechniken, der Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre und eine Suche nach Sinn, auf der man hoffte, in den Kirchen eine Antwort zu finden. Die besten Architekten des Landes, darunter die beiden einzigen deutschen Pritzker-Preisträger, Gottfried Böhm und Frei Otto, arbeiteten an diesem Architekturwunder mit. Auch Sep Ruf, Egon Eiermann, Hans Scharoun und Paul Schneider-Esleben – hoch geschätzte und international renommierte Baumeister – haben in jenen Jahren sakrale Räume geschaffen. In vielen Provinzgemeinden und Wohnvierteln stehen so Meisterwerke, die sich heute nur noch Metropolen an zentraler Stelle leisten würden, und warten auf ihre Wiederentdeckung. Da ist die wulstige Kirche St. Rochus in Düsseldorf, die von Paul Schneider-Esleben 1954 realisiert wurde. Mit ihrer dreigeteilten eiförmigen Kuppel sorgt sie bis in die Gegenwart hinein immer wieder für Kontroversen. Da sind die Betongebirge von Gottfried Böhm in Saarbrücken, Neviges und Köln, die eher an Großplastiken als an funktionale Räume erinnern. Und selbst heute vergessenen Architekten wie Georg Rasch und Winfried Wolsky gelangen so spektakuläre Orte wie der der Auferstehungskirche in Köln-Buchforst (1965 bis 1968). Von der Spitze einer Pyramide fällt dort Licht durch eine verglaste Fuge in den Raum. Es inszeniert und u?berh.ht auch die Betonwände und deren kräftige Struktur. „Kein Architekturzweig entwickelt so zukunftsweisende, moderne Bauformen wie der Kirchenbau“, bemerkte bereits 1963 „Der Spiegel“. Und wunderte sich zugleich: „Moderne Architektur, die einst von der Kathedrale des Sozialismus, dem Dessauer Bauhaus, ausgegangen ist, findet heute im Kirchenbau mehr Spielraum der Phantasie als im profanen Bau.“ Das große Vorbild fu?r die Nachkriegskirchen war die Pilgerkirche Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp von Le Corbusier…